Zusammenfassung. Maglalatik ist ein lebhafter Tanz mit Scheingefecht und Versöhnung aus Biñan, Laguna. Tänzer schnallen sich Kokosnussschalen an den Körper und schlagen sie rhythmisch, um Konflikt und Befriedung rivalisierender Gruppen zu erzählen. Heute ist er bei Stadt-Fiestas und beim Puto-Latik-Festival zu Ehren des heiligen Isidor von Madrid (San Isidro Labrador) zu sehen und verbindet Frömmigkeit, athletische Schau und perkussive Musik, die im Alltag der Kokoswirtschaft wurzelt.
Schnellüberblick
| Herkunft/Region | Biñan, Laguna, Philippinen (Ursprünge in der spanischen Kolonialzeit; bis heute zentral für lokale Feste). |
| Musik/Ensemble | Vorwiegend Perkussion mit von den Tänzern geschlagenen Kokosnussschalen; bei Prozessionen und Festivalbühnen oft ergänzt durch Trommeln oder lokale Schlaginstrumente. |
| Takt/Charakter | Treibendes Zweiermetrum mit schnellen Synkopen, raschen Klatschzyklen und Jogging-Schritten, die in Gefechtsabschnitten beschleunigen. |
| Kostüm | Eng anliegende Weste oder Gurtzeug mit Kokosnussschalen an Brust, Rücken, Hüfte und Oberschenkeln. Farbcodierung: Rot vs. Blau für die gegnerischen Seiten. Barfuß oder schlichtes Schuhwerk für Agilität. |
| Typischer Kontext | Religiöse und bürgerliche Fiestas, Straßenprozessionen, Wettbewerbe zwischen Barangays und Bühnenpräsentationen, besonders beim Puto-Latik-Festival in Biñan. |
| Schwierigkeitsgrad | Fortgeschritten (Ausdauer, Timing, präzise Koordination in Paar-/Gruppenarbeit), Grundelemente sind jedoch auch Anfängern vermittelbar. |
| Auch bekannt als | Manlalatik, Magbabao in einigen lokalen Quellen; „latik“ bezeichnet Kokosmilch-Käsebruch für Süßspeisen, nicht die Schale. |
Ursprünge & Geschichte
Maglalatik gilt weithin als in Biñan, Laguna, entstanden, wo der Kokosanbau das Alltagsleben und die lokalen Feste prägte. Überlieferungen berichten von Kokos-Schälern, die sich nach der Arbeit entspannten, die Schalen als spielerische Perkussion nutzten und freundschaftlich wetteiferten. Mit der Zeit wurde dies zu einem Tanz formalisiert, der Konflikt und Versöhnung darstellt und zu Ehren des heiligen Isidor bei Stadtfiestas aufgeführt wird.
Nach dem historischen Gedächtnis Biñans besuchten die Aufführenden während der Mai-Fiesta früher einzelne Häuser und schlossen sich später als fromme Darbringung einer öffentlichen Prozession an. Dieser Weg von Haus zu Straße überbrückte private Gastfreundschaft und gemeinschaftliche Verehrung – ein Kennzeichen vieler philippinischer Feste.
Dokumentierte Darstellungen des städtischen Kulturamts beschreiben eine vierteilige Handlung, die den Zusammenprall zweier Gruppen und ihren späteren Frieden dramatisiert. Auch wenn der Rahmen des Scheingefechts Legendenbildung begünstigt, sind Kernmerkmale, Aufführungsorte und die Funktion im Festkalender in lokalen wie nationalen Quellen gut belegt.
Musik & Instrumente
Die Kokosnussschalen sind zugleich Kostüm und Instrument. Tänzer befestigen Halbschalen an Brust, Rücken, Hüfte und Oberschenkeln und erzeugen durch Schläge mit Händen und Unterarmen einen klaren, hölzernen Klang. Das Ensemble wird zu einer beweglichen Perkussionssektion, fähig zu Ruf-Antwort-Mustern, Wirbeln und akzentuierten Klicks wie am Trommelrand. Auf Straße und Bühne werden die Schalenklänge oft durch große Trommel oder andere Festival-Perkussion verstärkt, um vor großen Zuschauerzahlen zu tragen.
Der kinetische Rhythmus liegt in einem stabilen Zweiermetrum, doch ändern sich Dichte und Tempo je nach Erzählabschnitt. Fachanalysen betonen wiederkehrende Schrittbausteine wie Jogging- und Vor-Zurück-Muster sowie rasche Klatschzyklen, die wie Schlagzeug-Rudiments am Körper funktionieren. Diese athletische Perkussion – während des Gehens und Drehens – ist das musikalische Markenzeichen des Tanzes.
Schritte & stilprägende Merkmale
- Vierteilige Struktur. Die Choreografie folgt einem dramaturgischen Bogen in vier benannten Abschnitten: Palipasan und Baligtaran stellen den Zusammenprall dar, Paseo und Escaramuza die Versöhnung. Jede Phase hat eine eigene Bewegungsdichte und Paar-/Gruppendynamik.
- Der Körper als Instrument. Schalen an Rumpf und Oberschenkeln werden in präzisen Abfolgen geschlagen. Die Hände alternieren wie Drumsticks, während die Schritte in Linien oder Bögen wandern – so entstehen Polyrhythmen zwischen Fußarbeit und Schalenschlägen.
- Signature-Steps und Rhythmen. Häufige Bausteine sind Jogging, Vor-Zurück-Schritt, Armschwung sowie acht schnelle Klatschzyklen, die in „Gefechts“-Phrasen oft verdichtet werden. Das Ergebnis ist ein perkussives Crescendo.
- Oppositionelle Formationen. Zwei farbcodierte Gruppen stehen sich gegenüber, rücken vor und weichen zurück und verweben sich dann – vom Spiegeln zu ineinandergreifenden Schlägen und Wechseln.
- Beschleunigung und Zeichen. In Konfliktteilen zieht das Tempo an. Sichtzeichen wie angehobene Ellbogen, Richtungs-Ausfallschritte oder laute Zählrufe einer Leitung halten die Schläge synchron.
- Kontaktpräzision. Da die Schalen nahe an Knochen montiert sind, sind sichere Schlagwinkel wichtig. Weiche Knie, aktivierte Körpermitte und entspannte Handgelenke schützen die Gelenke und erzeugen dennoch einen brillanten Ton.
- Vom Straßenumzug zur Bühne. Der Umfang reicht von kurzen Prozessions-Einlagen bis zu vollständigen Wettbewerbs-Routinen; Reisesteps und Diagonalen werden an die Bühnengröße angepasst.
Kostüm & Bühnenbild
Die Schalen werden an einer eng anliegenden Weste bzw. einem Gurtzeug sowie an Gurten um Hüfte und Oberschenkel befestigt. Die Anordnung konzentriert sich auf gut erreichbare Ziele: Brust und Rippen für helle Töne, Hüfte und Oberschenkel für tiefere Schläge. Traditionelle Farbpaletten teilen rivalisierende Gruppen in Rot und Blau ein, damit Rollen auch aus der Ferne erkennbar sind. Barfuß bietet mehr Halt und weniger Schrittgeräusch; bei Bühnenversionen erscheinen gelegentlich weiche Schuhe.
Auf der Straße zählt Projektion. Tänzer stehen diagonal zum Publikum und halten aus Sicherheits- und Klarheitsgründen engen Abstand. Auf der Bühne lässt das Licht die skulpturale Wirkung der Schalen hervortreten und erleichtert das Verfolgen schneller Cross-Body-Schläge. Mitunter fügen Festivals hinter den Tänzern Drumlines oder Gongs hinzu, um das Klangfundament zu verdichten, ohne den klaren Attack der Schalen zu überdecken.
Varianten & Deutungen
Das Biñan-Modell dient als Referenz, doch Varianten finden sich in den gesamten Philippinen. Manche betonen das Martialische und steigern Fußtempo und Schlagkraft in Baligtaran. Andere mildern den Zusammenstoß und setzen auf festliche Paseo-Muster, die sich für Schule und Gemeinschaft eignen. Alternativnamen wie Manlalatik und Magbabao tauchen in lokalen Quellen auf und spiegeln kokosbezogene Wortschätze und Kostüme.
Zeitgenössische Wettbewerbe beim Puto-Latik-Festival in Biñan fördern Choreografien, die die vierteilige Erzählung respektieren und zugleich neue Formationen, Kanons und Reisemuster einführen. So bleibt die Tradition für Publikum und Jury lesbar und ermöglicht zugleich technische Weiterentwicklung der Gruppen.
Wo man es heute erleben kann
- Biñan, Laguna: Das Puto-Latik-Festival im Mai zeigt Maglalatik in Prozessionen, Wettbewerben und Hauptbühnen-Shows zu Ehren des heiligen Isidor von Madrid.
- Stadtfiestas und Kulturabende: In Laguna und den Nachbarprovinzen präsentieren kommunale Programme und Schulen Kurzfassungen, die den Bogen von Scheingefecht und Versöhnung bewahren.
- Universitäts- und Tour-Ensembles: Akademische und Gemeinschaftsgruppen zeigen Repertoire-Versionen, die die Schalen-Perkussion und das Vier-Teile-Design hervorheben – oft in gemischten Programmen philippinischer Folklore.
Häufige Missverständnisse
- Mythos. Maglalatik stammt aus Mindanao. Die dokumentierte lokale Tradition verweist auf Biñan, Laguna, wo der Tanz weiterhin ein Kernstück des Puto-Latik-Festivals ist.
- Mythos. Der Name bezieht sich auf die Kokosnussschalen. „Latik“ bedeutet Kokosmilch-Käsebruch für Süßspeisen, nicht die Schale, auch wenn die Schalen die Instrumente des Tanzes sind.
- Mythos. Er wurde von spanischen Kolonisatoren geschaffen. Quellen beschreiben eine gemeinschaftliche Praxis, die mit Kokosarbeit und lokaler Frömmigkeit verbunden ist – keine koloniale Importware.
- Mythos. Er wird nicht mehr aufgeführt. Der Tanz hat einen festen Platz im Festkalender Biñans mit Wettbewerben und Straßenprozessionen.
- Mythos. Er ist traditionell ein Frauentanz. Klassische Berichte und Festivalpraxis zeigen Männergruppen; gemischtgeschlechtliche Besetzungen sind eher in heutigen Schul- und Bühnenfassungen üblich.
Quellen
- NCCA. „Philippine Occupational Dance.“ National Commission for Culture and the Arts, 2017. https://ncca.gov.ph/about-ncca-3/subcommissions/subcommission-on-the-arts-sca/dance/philippine-occupational-dance/
- Amt für Kultur, Geschichte, Kunst & Tourismus der Stadt Biñan. „Maglalatik.“ 2022. https://experiencebinan.com/feel-binan/maglalatik/
- Quantum Journal of Social Sciences and Humanities. „Cultural Awareness, Motivation and Satisfaction of Puto Latik Festival to Biñan City Residents, Laguna.“ 2023. https://www.qjssh.com/index.php/qjssh/article/view/236
- Property Report (The Philippine Star). „The wind of cultural change in Biñan.“ 2019. https://propertyreport.ph/news-and-events/2019/05/15/5235/wind-cultural-change-binan/
- International Journal of Emerging Trends in Sports Science. „Movement Analysis of Philippine Folk Dance Maglalatik.“ 2018. https://www.researchgate.net/publication/344411517_Movement_Analysis_of_Philippine_Folk_Dance_Maglalatik