Der Itik-Itik-Tanz auf den Philippinen


Zusammenfassung. Itik-Itik ist ein philippinischer mimetischer Volkstanz, der die schnellen, verspielten Bewegungen von Enten nachahmt. Er wird oft mit einer Tänzerin namens Kanang aus Surigao in Verbindung gebracht, doch seine genaue Entstehungsgeschichte ist teils Legende. Heute sieht man Itik-Itik in Schulen, auf Festen und bei Kulturdarbietungen, mit Schritten, die flattern, picken und waten – zu einem leichten, schwingenden Rhythmus. Dieser Leitfaden erläutert Geschichte, Musik, Choreografie, Kleidung, Varianten und wo man den Tanz heute sehen kann.

Schnellüberblick

Ursprung/Region Caraga-Region auf Mindanao, besonders Surigao (landesweit gelehrt; lokale Versionen auch in den Visayas berichtet)
Musik/Ensemble In vielen Schul- und Gemeindeversionen zur Melodie „Dejado“, häufig gespielt von Rondalla (Bandurria, Laud, Octavina, Gitarre, Bass); Gesang optional
Takt/Gefühl Meist in einem sanften, beschwingten Gefühl mit Dreiergruppierungen vermittelt; moderates Tempo für klare Schritte und Pantomime
Kostüm Frauen: baro’t saya oder Balintawak mit Pañuelo; Männer: camisa de chino oder Barong, schlichte Hosen; Requisiten selten, die Bewegung trägt das Thema
Typischer Kontext Schulprogramme, Stadtfeste, Kulturwettbewerbe, Auftritte von Botschaften und Diaspora, thematische Gemeinschaftsfestivals
Schwierigkeitsgrad Für Einsteiger geeignet, mit Koordinationsanforderungen beim Armflattern und bei schnellen Fersen–Zeh–Mustern
Auch bekannt als In Volkstanzlehrplänen meist einfach „Itik-Itik“; in englischen Glossen als „duck dance“ beschrieben

Ursprünge & Geschichte

Itik-Itik gehört zur philippinischen Familie mimetischer Tänze, in denen Tierverhalten die Gesten inspirieren. Die verbreitetste Erzählung führt den Tanz auf eine junge Frau mit dem Spitznamen Kanang zurück, die angeblich bei einer Tauffeier in Surigao entenartige Schritte improvisierte. Die Geschichte beschreibt die „hakeligen Bewegungen und das Spritzen des Wassers über ihren Rücken“, die das Publikum begeisterten, woraufhin sich der Stil verbreitete. Dies ist eine wertvolle kulturelle Legende, die erklärt, warum der Tanz so aussieht, doch sie bleibt eher Oral History als eine dokumentierte punktuelle Erfindung. Diese Einordnung respektiert das lokale Gedächtnis und trennt Legende von Aufzeichnung.

Jenseits der Legende ist dokumentiert, dass der Tanz im 20. und 21. Jahrhundert kontinuierlich in Lehrpläne und Gemeinschaftsprogramme auf den Philippinen integriert wurde. Akademische Erhebungen zur Jugendwahrnehmung stellen fest, dass traditionelle Volkstänze wie Itik-Itik weiterhin unterrichtet werden, auch wenn moderne Einflüsse die Vorlieben verändern. Dieser institutionelle Unterricht half, Schritte und Figuren zu standardisieren und zugleich den mimetischen Reiz für den Unterricht zu bewahren.

In der Diaspora nutzen Botschaften und Kulturgruppen Itik-Itik, um die Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe unter im Ausland lebenden Filipinos zu fördern. Staatlich unterstützte Programme präsentieren den Tanz als zugänglich, unterhaltsam und identitätsstiftend – ein Grund für seine Langlebigkeit außerhalb der mutmaßlichen Herkunftsregion.

Auch Festivals und städtische Heritage-Events haben Itik-Itik als Thema aufgenommen und den Tanz in Umzüge und Bühnenprogramme eingebettet. Diese zeitgenössische „Festivalisierung“ sorgt dafür, dass neue Generationen den Stil in festlichen Zusammenhängen erleben – nicht nur in Lehrbüchern oder Proben.

Musik & Instrumente

Viele schulische und gemeindliche Versionen von Itik-Itik werden zu „Dejado“ getanzt – einer leichten, lyrischen Melodie, die die beschwingte Qualität der Schritte unterstützt. Bei Livebegleitung sind Rondalla-Instrumente üblich, insbesondere aus der Bandurria- und Gitarrenfamilie, die die Hop-, Pick- und Flattermotive mit hellen, artikulierten Anschlägen ergänzen. Die Musik bevorzugt meist einen sanften, stetigen Puls, der schnelle Fersen–Zeh–Wechsel ohne Hektik ermöglicht. Regionale und gruppenspezifische Varianten bestehen je nach Repertoire und Vorlieben der Lehrenden.

Da Itik-Itik mimetisch ist, zählt die Stimmung ebenso wie das Metrum. Die Musik sollte Raum für Pantomime lassen. Kurze Phrasen erlauben es, „zu picken“, „zu flattern“ und „zu waten“ und dann für die nächste Figur neu anzusetzen. Das ist ein Grund, warum der Stil im Bildungsbereich floriert: Die Phrasierung lehrt Musikalität und Timing mit klarer Kausalität zwischen Rhythmus und Geste.

Schritte & stilistische Merkmale

  • Armflattern. Gerundete Arme heben sich leicht seitlich und pulsieren dann nach vorn oder unten, um Entenflügel zu imitieren. Schulter- und Ellbogengelenke formen das „Flattern“, die Handgelenke vollenden die Linie. Nacken entspannt und Oberkörper aufrecht halten, damit die Flatterbewegung leicht wirkt, nicht verkrampft.
  • Pickgesten. Kleine Vorwärtsneigungen von Kopf und Oberkörper simulieren das Picken einer Ente. Die Bewegung soll schnell, aber kontrolliert sein, oft kombiniert mit einem winzigen Schritt oder Fersenstoß als rhythmischer Akzent.
  • Ferse–Zeh–Fußarbeit. Viele Standard-Schulversionen verwenden Ferse–Zeh–Muster, die Führungs- und Folgebien abwechseln und so Pickrhythmus und Richtungswechsel unterstützen. Fußgelenke kompakt und federnd halten.
  • Überkreuz-Schiebeschritte. Kreuzaktionen mit gleitenden Schritten vermitteln den Eindruck des Watens oder Dahingleitens auf der Oberfläche. Weiche Knie sorgen für flüssiges Vorankommen.
  • Leichte Läufe und Hüpfer. Kurze Läufe, kleine Hüpfer und halbe Drehungen in verschiedene Richtungen bringen Abwechslung zwischen den mimetischen Phrasen. Als Verbindungswege über das Parkett nutzen.
  • Mimikspiel. Verspielter Blick und schnelle „erschrockene“ Akzente betonen die Tiernachahmung, ohne zur reinen Komödie zu werden. Die Darbietung ist lebhaft und unbeschwert statt slapstickhaft.
  • Klare Linien, kleiner Radius. Die Formen bleiben kompakt. Die Arme ragen nicht weit über die Schulterlinie hinaus, die Wege sind moderat – der Fokus liegt auf der Mimik, nicht auf virtuosen Sprüngen.

Aus bewegungsanalytischer Sicht koordiniert Itik-Itik mehrere Gelenke in kurzen Schüben. Schulterabduktion und Ellbogenflexion formen das Flattern; Hüft- und Kniebeugung mit Sprunggelenksarbeit treiben Ferse–Zeh und Gleitaktionen an. Quadrizeps, Gesäßmuskulatur und Deltamuskel gehören zu den Hauptmuskelgruppen – das erklärt, warum der Tanz trotz seiner Sanftheit über mehrere Minuten überraschend aktiv wirken kann.

Kostüm & Bühnenbild

In den meisten Kulturpräsentationen tragen Frauen baro’t saya oder Balintawak. Diese Silhouetten geben den Armen Freiheit für das Flattern, und der Rock erhält einen leichten Schwung, der kleine Hüpfer betont. Ein Pañuelo rahmt den Halsausschnitt und sorgt für ein zurückhaltendes Gesamtbild. Männer tragen oft camisa de chino oder Barong mit schlichten Hosen – passend für Gemeinde- und Schulkontexte. Kopfschmuck ist meist schlicht oder entfällt, damit die Mimik sichtbar bleibt. Die Farbpalette tendiert zu klaren, leuchtenden Tönen, die sowohl im Tageslicht von Fiestas als auch im Auditoriumslicht gut wirken.

Die Gestaltung ist unkompliziert. Kleine Gruppen tanzen in flachen Bögen oder Chevrons, damit das Publikum die Pickmotive im Profil erkennt – dort kommen Humor und Klarheit am besten zur Geltung. Wege über die Bühne nutzen kurze Diagonalen und seitliches Waten, gelegentlich mit kreuzenden Linien für ein lebendiges Bild. Werden Ein- und Abgänge verwendet, sollten sie zügig sein, damit die Bühne zwischen mimetischen Phrasen nicht leer wirkt.

Varianten & Deutungen

Regionale Unterrichtsversionen. Auch wenn die Schrittkataloge landesweit ähnlich wirken, passen Lehrkräfte Zählweisen, Weglängen und Armlinien an lokale Ästhetiken an. Manche Versionen betonen das Picken auf Akzentzeiten, andere bevorzugen kontinuierliches „Waten“ mit subtileren Piks. Diese Unterschiede halten den Tanz frisch, ohne seine Identität zu verändern.

Solo- oder Kleingruppen-Inszenierung. Als Solo wirkt der Tanz, weil mimetische Details aus der Nähe sichtbar sind; für Schulprogramme lässt er sich zu Trios und kleinen Ensembles skalieren. In Gruppen die Flatter- und Pickbewegungen für Unisono-Momente synchronisieren und die Zeit während der Läufe leicht versetzen, um einen Schwarm anzudeuten.

Festivalisierte Aufführungen. Stadtfeste, die Itik-Itik hervorheben, verbinden bisweilen Kostüm- und musikalische Elemente aus Umzugstraditionen, mit kräftigeren Farben oder schnelleren Übergängen für Straßenzuschauer. Die Kernelemente bleiben erkennbar, doch Tempo und Theatralik steigen für die öffentliche Feier.

Adaptionen in der Diaspora. In Botschaften oder Gemeindezentren im Ausland integrieren Lehrende Itik-Itik in Fitness- oder kulturelle Hybridformate, damit Einsteiger ohne Vorkenntnisse Zugang zum Volkstanz erhalten. So entsteht ein freundlicher, niedrigschwelliger Einstieg ins Erbe.

Rahmung als Naturkunde. Manche Programme stellen Itik-Itik neben andere vogelinspirierte Tänze und lehren, Tierverhalten zu beobachten und in Gesten zu übersetzen. So wird die Tradition mimetischer Künste betont, statt Itik-Itik als bloße Kuriosität zu präsentieren.

Wo man den Tanz heute erleben kann

  • Schul- und Universitätsprogramme. Kulturabende und Sport-/Bewegungsschauen besuchen, besonders während des National Heritage Month und Campusfestivals.
  • Stadtfeste und Themenumzüge. Nach Heritage-Festivals mit Volkstanz-Suiten Ausschau halten – Itik-Itik ist dort oft Teil eines Repertoires regionaler Favoriten.
  • Veranstaltungen von Botschaften und Diaspora. Überseeische philippinische Communities zeigen Itik-Itik häufig bei konsularischen Kulturtagen, Heritage-Märkten und Talentbühnen.
  • Bezüge zu Vogel- und Naturkultur. Bildungsprogramme koppeln den Tanz teils mit Vorträgen über lokale Tierwelt und mimetische Künste – ein neuer Zugang für Familien und Studierende.

Häufige Missverständnisse

  • Mythos. „Itik-Itik wurde spontan von einer Tänzerin namens Kanang geschaffen, also ist diese Geschichte historische Tatsache.“ Richtigstellung. Die Kanang-Erzählung ist eine geschätzte lokale Legende, die Stil und Verbreitung erklärt, jedoch kein einzig belegter Ursprung. Sie steht neben schulischer Kodifizierung und späteren regionalen Lehrtraditionen.
  • Mythos. „Itik-Itik ist nur eine Kindergaudi.“ Richtigstellung. Es handelt sich um einen mimetischen Volkstanz, der in formalen wie gemeinschaftlichen Kontexten gelehrt und von Jugendlichen wie Erwachsenen bei Festen, in Schulen und auf Kulturveranstaltungen auf den Philippinen und im Ausland aufgeführt wird.
  • Mythos. „Itik-Itik hat kaum Technik.“ Richtigstellung. Bewegungsanalyse zeigt koordinierte Gelenk- und Muskelarbeit – u. a. Schultern, Hüften, Knie, Deltamuskel – sowie präzise Fersen–Zeh– und Gleitmuster. Die Technik ist subtil, nicht abwesend.
  • Mythos. „Traditionelle Volkstänze wie Itik-Itik interessieren die Jugend nicht mehr.“ Richtigstellung. Trotz Konkurrenz moderner Formen werden sie weiterhin institutionell gelehrt und aufgeführt. Viele Programme passen die Präsentation aktiv an, um die Beteiligung zu sichern.

Quellen

  1. Movement Analysis of Philippine Folk Dance Itik-itik, Asian Journal of Interdisciplinary Research, 2019. https://journals.asianresassoc.org/index.php/ajir/article/view/455
  2. Talonted Performers: Exploring the Influence of Birds on Philippine Mimetic Dances, Wild Bird Club of the Philippines, 2023. https://birdwatch.ph/2023/03/31/talonted-performers-exploring-the-influence-of-birds-on-philippine-mimetic-dances/
  3. OFWs in Lebanon Learn Pinoy Folk Dance through Zumba, Department of Foreign Affairs (Philippines), 2019. https://dfa.gov.ph/dfa-news/news-from-our-foreign-service-postsupdate/23567-ofws-in-lebanon-learn-pinoy-folk-dance-through-zumba
  4. Philippine Folk Dance through the Eyes of the Maloleño Youth, European Academic Research, Vol. III No. 4, 2015. https://euacademic.org/UploadArticle/1788.pdf
  5. Itik-Itik Festival, Vigattin Tourism, 2012. https://www.vigattintourism.com/tourism/articles/Itik-Itik-Festival